Grundlagen der Reittherapie und das Pferd als therapeutischer Partner
Pferde und Menschen sind schon seit tausenden von Jahren verbunden und eine Begegnung mit Pferden wird oft als ein Erlebnis beschrieben, welches den Menschen in seiner Seele berührt. Man fand ein auf geschätztes 35 000 Jahre altes aus Mammutelfenbein geschnitztes Pferd 2007 in der Vogelherdhöhle auf der schwäbischen Alp.
Das Pferd hat die Fantasie der Menschen beflügelt, das als Einhorn steht z.B. als Symbol für Liebe und Reinheit, eine weiße Stute gilt als Symbol des Lebens wohingegen der Tod als Sensenmann auf einer klapprigen schwarzen Stute daherkommt.
Pferde sind Inbegriff von Kraft, Schönheit, Eleganz und Schnelligkeit.
Es half als Reit-, Last- und Zugtier große Entfernungen zu überwinden und Menschheit ist mit der Entdeckung des Feuers gleichzusetzen, Grenzen hinauszuschieben, und machten den mobil. Es heißt, der Dienst des Pferdes an der Menschheit ist gleichzusetzen mit der Entdeckung des Feuers.
„Der Mensch allein ist nichts, erst auf dem Pferd wächst er über sich hinaus“ ist ein altes isländisches Sprichwort. Gerade in Island haben Pferde gegenwärtig eine noch größere Bedeutung, Wikinger dachten, dass auch Pferde nach dem Tod weiterleben und sich die Besten von ihnen im Totenreich wiedertreffen.
Das Pferd wurde vor allem im Krieg als Kampfgefährte missbraucht, vom Feind nicht nur niedergemetzelt, gestohlen oder misshandelt, es hat auch durch den ganzen militärischen Einsatz im Krieg viel Leid erfahren, um den Menschen zu dienen.
Es hat mit unendlicher Geduld und Kraft Wagen und Pflüge über Straßen, Wege und Felder gezogen, um die Erde fruchtbar zu machen und die Menschheit mit Nahrung zu versorgen.
Auch in Poesie und Bildhauerei hatten sie einen Platz, Goethe war ein leidenschaftlicher Reiter, Alexander der Große baute für sein Wunderpferd Bucephalos extra ein Mausoleum und auch durch Pferde konnten Frauen später unabhängiger, selbstbewusster und kämpferischer werden und dem Mann somit gleichberechtigt werden.
Pferde haben Menschen mobil gemacht, heutzutage führt es uns wieder zurück zur Natur, zu maß- und taktvoller Beweglichkeit und somit zu Lebendigkeit, Gesundheit, Ausgleich und Lebensfreude. Wir arbeiten mit ihm nicht nur auf körperlicher Ebene und durch die Beziehungsarbeit werden geistige und seelische Bereiche angesprochen und somit auch der intellektuelle und soziale Bereich geschult, das Pferd wirkt also auf den ganzen Menschen.
Bereits in der Antike wurde die heilsame Wirkung des Pferdes auf die seelische, geistige und körperliche Gesundheit des Menschen durch Hippokrates und Xenophon erkannt und hochgepriesen.
Was ist Reittherapie
Der Begriff „Reittherapie“ dient als Überbegriff für unterschiedliche Bereiche der Pferde innerhalb einer pferdegestützten Intervention und wird als Alternative und Ergänzung zu bekannten klassischen Therapieformen angeboten. Alle gemeinsam ist, dass das Pferd als Motivationsträger den Therapeuten oder Pädagogen und seine behandelnden Klienten begleitet.
Heilsam ist das Pferd nicht aus sich heraus, denn es ist weder Arzt, Pädagoge noch Therapeut, es ist wie es ist.
Das Pferd dient als Medium, sowohl der Umgang als auch das Reiten kann man Menschen helfen, ihr Leben zu meistern, positiv zu beeinflussen, geistig, seelisch, emotional und körperlich anzusprechen und zu fördern.
Das besondere hierbei ist, dass der Klient immer auf mehreren dieser Ebenen gleichzeitig
KÖRPERLICH:
- Grob- und Feinmotorik
- Koordination und Gleichgewicht
- Tonusregulierung
- Körperbewusstsein
GEISTIG:
- Wahrnehmung
- Konzentration
- Selbsteinschätzung
- Eigenständigkeit
SEELISCH
- Umgang mit Emotionen
- Selbstwertgefühl
- Nachholen von frühkindlichen Bedürfnissen
SOZIAL:
- Verbale und nonverbale Kommunikation
- Kooperation
- Konfliktfähigkeit
- Verantwortung
Das Pferd als Co-Therapeut
Wie oben bereits erwähnt sind Mensch und Pferd schon seit tausenden von Jahren verbunden.
Ein Pferd steht für Kraft, Schönheit und Ausdauer, hat sich aber durch sein Leben als sensibles, aber einfühlsames Fluchttier besondere Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen erarbeitet diese ihm ermöglichen Spannungsfelder sofort wahrzunehmen und auf diese zu reagieren. Eine eindeutige Kommunikation ist wichtig da der Mensch in seiner inneren und äußeren Haltung unmittelbar gespiegelt wird. Somit ist eine eindeutige Kommunikation unabdingbar. Das Pferd ist ehrlich in seinem Verhalten, lässt sich von und Führen, fordert aber klare Regeln und Respekt von seinem gegenüber.
Dem Pferd ist komplett egal wie man aussieht, was man anhat, es ist wertfrei. Fotograf: Franziska Laxgang
Pferde sind von Natur aus sehr freundlich und interessiert, gehen neutral und ohne Vorurteile auf andere Lebewesen zu und schaffen so eine beruhigende und motivierende Atmosphäre.
Gerade Kinder sind überzeugt, dass das Pferd ihre Gefühle besser versteht und vertrauen diesem mehr wie einem Menschen. Somit ist es leichter ihnen Vertrauen und Sicherheit zu entgegenzubringen.
Ein großer Vorteil ist auch, dass das Pferd uns tragen kann. Wir könne mit all unseren Sinnen seine Bewegungen, sein Fell, seine Wärme, usw. spüren.
Der Umgang mit ihm schenkt Lebensfreude, man erlebt Wärme und Geborgenheit.
Es gibt nicht die perfekte gezüchtete Therapie-Rasse beim Pferd. Jedes Pferd kann, wenn es die die richtigen inneren und äußeren Eigenschaften mitbringt ein tolles Therapie-Pferd werden.
Auch das Alter spielt eher eine untergeordnete Rolle, wenn der Einsatz auf die Kondition und Leistungsbereitschaft angepasst ist und das Pferd Freude an der Arbeit hat.